Schwalenberger Brauzunft e.V.

Zur Pflege der Brautradition von 1661

 

 

 

Unsere Presse

Bis vor wenigen Monaten hatte kaum jemand etwas über Brauen in Schwalenberg gehört und jetzt ist dort ein Verein mit knapp 30 Mitgliedern und ein Gemeinschafts-Brauhaus mit einer Nutzfläche von ca. 60 Quadratmetern entstanden. Ausgestattet mit 2 elektrisch beheizten Sudkesseln - 250 und 300 Litern Nutzvolumen, ein passender Läuterbottich, ein Kühlhaus von 2,5 x 3,5 Metern, Aufenthaltsraum, Toilette und so einiges mehr. Gibt es da den Big Sponsor oder waren die Heinzelmännchen wieder unterwegs?

Anfang 2004 tauchen im Braukurs „Bier aus eigener Küche“ beim Autor dieser Zeilen, vier Mittvierziger auf. Zwei davon, der heutige Vorsitzende der Schwalenberger Brauzunft Frank Ehlert und sein Stellvertreter Fritz Beckmann hatten kurz vor ihrer gemeinsamen Urlaubsreise einen Fernsehbericht über Bierbrauen gesehen und das Thema selber Bier brauen dann im Urlaub vertieft. Als dann kurze Zeit später im Programm der Volkshochschule der Braukurs erschien, war der der Bazillus endgültig übergesprungen und sie begeisterten auch andere Freunde – Schützenbrüder – an dem Kurs teilzunehmen.

Als die ersten häuslichen Brauversuche begannen, gesellten sich schnell weitere Interessenten dazu, darunter auch eine Frau, die bis heute einzige Frau der Schwalenberger Brauzunft. Keller, Küchen und Carports wurden bald zu klein. Auch befriedigten die gebrauten Mengen, die ein privater Stromanschluss hergibt, unsere Braufreunde nicht auf Dauer. Da natürlich auch mal etwas schiefgehen kann hielt man Kontakt zu Jürgen Reuß und wurde Mitglied im VHD. Wie Frank Ehlert berichtet, haben insbesondere die Flaschenpost-Artikel eine ungeheuer motivierende Wirkung auf die Braugruppe gehabt. Bald wurden in der Schwalenberger Braugruppe kühne Pläne geschmiedet. Man wollte versuchen die ortsansässige Gastronomie mit ins Boot zu holen.

Dazu muss man wissen, dass Schwalenberg ein mittelalterliches Städte-Kleinod ist, die vielleicht einzige, mittelalterliche Stadtanlage im norddeutschen Raum, die bis heute von 3 Seiten keine moderne Anschlussbebauung erfahren hat und nicht nur deshalb als wirklicher Geheimtipp gehandelt werden darf. Da der Ort, mit seinem historischen Ortskern, sich auf seiner kleinen Bergterrasse nicht ausdehnen konnte, hat er wie vor 500 Jahren auch heute noch, nur ca. 2000 Einwohner. Dafür kann er aber mit 6 Gaststätten aufwarten. Aber die Gastwirte waren am Ansinnen der Braufreunde auf eine kleingewerbliche Braueinrichtung nicht interessiert.

Diese Absage stiftete für einige Monate Verwirrung. So war erst im Sommer 2005 die neue Idee gereift, ein Brauhaus mit eigener (finanzieller) Kraft und als gemeinnütziger Verein auf die Beine zu stellen.

Zur Vorbereitung auf die zahlreichen Behördengespräche wurde nun auch Markus Harms kontaktiert, der mit Mustersatzungen und zahlreichen Informationen aus überregionaler Sichtweise aufwarten konnte. Trotzdem war es noch ein steiniger Weg mit der Handwerkskammer eine praktikable Abgrenzung zwischen gewerblicher und nichtgewerblicher Tätigkeit zu finden. So dürfen die Schwalenberger beispielsweise heute kein Auftragsbrauen durchführen, sehr wohl aber das erzeugte Bier zur Kostenbestreitung selbst ausschenken, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Neben der „Gesellschaftsform“ bestand eine weitere Herausforderung in der Immobiliensuche für die Braustätte. Nachdem man sich bei zwei privaten Immobilienbesitzern eine Abfuhr geholt hatte, wagten die Schwalenberger den Gang zum Bürgermeister. Hier fanden sie ein offenes Ohr, da die Brau

freunde ihrerseits nicht mit leeren Händen kamen, sondern anboten ein städtisches Gebäude zu sanieren und zur Bereicherung des touristischen Angebots der Stadt regelmäßig historische Brauvorführungen durchzuführen. Es fand sich eine kaum noch benutzte Wagenremise, die, in relativ zentraler Lage zum Ortskern gelegen, zum Areal des Bauhofes gehörte und an der seit Jahrzehnten keine Investitionen mehr vorgenommen wurden. „In der Tränke 8“ - keine schlechte Adresse für ein Brauhaus.

Damit blieb als entscheidende Hürde noch die Finanzierung des Projekts übrig. Außer dass man bereit war, auch persönlich tief in die eigene Tasche zu greifen, kam der örtlichen Bürgerstiftung eine entscheidende Bedeutung zu. Die machte schließlich 2.500,00 € locker. Auch wenn das mit einer Vielzahl von Auflagen verbunden war, so war damit doch schon ein entscheidender Schritt getan.

Inzwischen befinden wir uns im Frühjahr 2006. Jetzt startet, die auf 11 Mitglieder angewachsene Braugruppe ihre Öffentlichkeitsarbeit. So wird zum Aufstellen des Maibaums erstmals Bier zur Verköstigung angeboten. Der Sud dazu fand noch bei Schneetreiben im holzbeheiztem Schlachtkessel statt. Und die Tageszeitung titelte: „Dunkel, naturtrüb, süffig. Erstes Schwalenberger Maibock mundete vorzüglich“. Der 2. Schritt ist dann eine „Bürger- Informationsveranstaltung“ Anfang Juni, zu der neben ca. 60 interessierten Bürgerinnen und Bürgern auch Markus Harms und Jürgen Reuß erscheinen. Spätestens hier merkte man die Euphorie, den besonderen Charme der Stadt und ihren engagierten Bürgern und die volle Breitseite an Unterstützung, die für ein solches Projekt wohl notwendig ist.

Bei beiden Veranstaltungen gehen Spenden ein. Da parallel zur Öffentlichkeitsarbeit auch die Arbeiten am Brauhaus beginnen, können die ortsansässigen und einige regionale Gewerbebetriebe gezielt angesprochen werden. Auch dadurch kann noch einmal ein erhebliches Sponsoring in Form von Geld und Gewerken aufgetan werden. Als weiterer Effekt dieser Öffentlichkeitsarbeit stoßen weitere Mitglieder zum Verein. So können die Arbeitseinsätze am Brauhaus auch über die Sommerferien hinweg aufrechterhalten werden. Tatsächlich sind die Schwalenberger jede Woche von Montag bis Samstag im Einsatz.

Eine große Hilfe für die Brauzunft ist auch die Bereitschaft des ortsansässigen Architekten Klaus Friedrich, unentgeltlich die Bauzeichnung zu erstellen und die Bauarbeiten zu betreuen. Viele Utensilien können im Internet besorgt werden. Andere, wie die Gasdrucktherme, müssen aber letztlich neu angeschafft werden. Die beiden Sudkessel stammen aus der Auflösung einer niederländischen Garnison im Nachbarort und hatten dort als Suppenkessel gedient.

Natürlich müssen einige Gewerke noch bis zum Frühjahr 2007 warten. Das Dach, das große Eingangstor und der Schornstein werden in diesem Jahr 2006 nicht mehr fertig werden können. Trotzdem will man der Bürgerschaft das Erreichte bei einem Schaubrauen und Tag der offenen Tür präsentieren.

Zu diesem Ereignis kommen erstmals zahlreiche Hobbybrauer von Dortmund bis Hildesheim in den kleinen Ort. Einige übernachten gleich spontan. Aber auch die Schwalenberger versagen ihre Unterstützung nicht und kommen zu Hunderten. Am meisten freut man sich an diesem 28.10.2006 aber über weitere fünf neue Vereinsmitglieder.

  

        

Brautag am 28. Oktober: beim Abläutern

Das Pendel der meisten Leser wird nun wohl Richtung „Schwalenberg ein Sonderfall“ ausschlagen. Und tatsächlich überrascht, wie viele Bausteine in Schwalenberg einfach zusammengepasst haben. Das Ausgangsteam kennt sich bereits seit Jahrzehnten und vereint alle notwendigen Fachkompetenzen. Am Ort gibt es eine überlieferte Hausbrautradition. Die Kommune sucht eine Attraktion und akzeptiert die Brauer als solche. Ein Haus, wenn auch ein marodes, steht unentgeltlich zur Verfügung. Und dann auch noch die Bürgerstiftung, die einen nicht unerheblichen Teil der Finanzierung trägt, da kann man schon neidisch werden.

Allerdings müssen wir den Schwalenbergern auch etwas zugestehen, das wir alle an den Tag legen könnten. Sie haben sorgfältig- strukturiert geplant. Sie haben eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit mit den Projektfortschritten abgestimmt. Sie sind gleich zu Anfang an alle Behörden und damit auch an die Kommune herangetreten. Sie haben allen Gesprächspartnern auch etwas anbieten können, d.h. ihnen einen Nutzen ihres Handelns plausibel darstellen können. Darüber hinaus haben sich die Schwalenberger in charmanter Weise an die örtliche Wirtschaft gewandt und schließlich alle nur erdenklichen (auch Informations-) Quellen angezapft.

Miteinander haben Sie das Gemeinschafts-Brauhaus erreicht. Eine gemeinsame Idee, von vielen getragen, wird mit vereinten Kräften Realität.

All das hat den Schwalenberger Erfolg sicher genauso beeinflusst wie die örtlichen Besonderheiten. Kopien will ohnehin niemand, denn die Hausbrauerszene lebt ja ganz ausdrücklich von ihrer Vielfalt - und nahezu Einzigartigkeit. So wie sich jeder freut, wenn das Glück den Tüchtigen trifft, freuen wir uns mit den Schwalenbergern über ihren gelungenen Start. Weitere Informationen sind auch auf der respektablen Internetseite des Vereins zu finden www. schwalenberger- brauzunft. de.

Man startet 2007 ins erste vollständige Braujahr in den neu geschaffenen Räumen. Sicherlich gibt es hier und da noch einiges daran zu optimieren, aber die ersten Ergebnisse können sich sehen lassen, denn die massiven Baumaßnahmen haben dem Schwalenberger Bierbrauen nicht geschadet. Das „neue“ Schwalenberger Bier, derzeit bevorzugt ein Märzenbier, mundet vorzüglich, wobei man „die“ Rezeptur mit den Braugeräten noch nicht gefunden hat - und wohl auch nicht finden will.

Man hat in relativ kurzen Zeit viel erreicht, die Entwicklung ist aber sicher noch nicht abgeschlossen. Seien wir gespannt wie sich das Schwalenberger Projekt weiterentwickelt.

Vielleicht sollten wir alle in unserer Ellbogen-Gesellschaft mehr gemeinsam unternehmen, statt vereinzelt vor uns hinzubrauen. Gemeinsam Bierbrauen, das zeigen die Schwalenberger Braufreunde, ist auch ein kulturelles und gesellschaftliches Ereignis, dass Menschen einander näher bringt.

JÜRGEN REUß (MIT UNTERSTÜTZUNG VON MARKUS HARMS UND FRANK EHLERT)

Markus Harms und seine Frau zu Besuch bei den Schwalenberger

 

Unsere Vereinsfahrt nach Oelde

                                  

Maispektakel in Schwalenberg 2008

Mittsommerbrauen mit Deutschland Premiere des Deutschlandbieres

   

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